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Dieses Thema hat 1 Antworten
und wurde 366 mal aufgerufen
 Gefahren im Leben
Summilie Offline

Admin


Beiträge: 3.418

26.06.2005 01:46
Angst antworten

Angst

Als Kind hatte ich Angst vor dunklen Ecken und vor Vogelscheuchen in der Abenddämmerung, Angst vor dem Heulen des Windes und vor Bildern, die sich mit Leben erfüllten. Es lebten viele von den toten Dingen. Die Phantasie erweckte sie zum Leben, einem Leben, vor dem man Angst haben muss. Die Angst ist unausrottbar, doch kann man mit ihr leben. Und die Angst vor der Dunkelheit ist wohl angeboren. Die Angst vor dem Unbekannten erfüllt uns alle noch. Es ist die Angst auch vor der Kraft der eig’nen Phantasie. Doch haben wir den Verstand, die Angst zu überwinden.

Das Wissen hat uns unabhängiger gemacht.
Und unangreifbarer auch.
Bisher glaubte ich das.

Was ist Leben, Was ist der Tod? Wir kennen uns und unsere Welt. Wir kennen viel. Und das, was wir wissen, lässt uns selbst im hellen Schein der Erkenntnis erschauen. Was wissen wir wirklich von uns?

Was wissen wir von alledem, das uns umgibt? Was verbirgt sich hinter dem, was wir „Seele“ nennen? - Ist die Seele ein Zustand, ein Vorgang, oder ist sie ein Ding?

Es gab Zeiten, da wusste man mehr. „Glauben“ wurde dieses Wissen genannt. Und jenes Wissen, das war unumstößlich; und keine Fragen schienen offen. Als beantwortet galten alle Fragen. Irgendwie war dies einfach. Und sinnvoll war es obendrein. Die Frucht vom Baum der Erkenntnis ist sehr verlockend. Aber schwer verdaulich ist sie leider auch.

***

Ich betrachte meine Versuchsergebnisse. Hier haben sich böse Fehler eingeschlichen. Sehr böse Fehler, wie es scheint. Ich muss von vorn beginnen. Die Messergebnisse passen nicht ins Bild. In welches Bild?

In das Bild des Wissens selbstverständlich.
Ein Forscher aber versucht doch, dieses Wissen zu erweitern!
Zu erweitern schon. Nicht zu vernichten.
Ist Leben ohne Tod denn denkbar? Ist Schöpfung denkbar ohne die Zerstörung?

Drei Monate Arbeit sind umsonst. Doch, es hilft wohl nichts. Die Kristalle verhalten sich sehr merkwürdig. Zuerst gab es Probleme mit der sauberen Reproduzierbarkeit des chemischen Prozesses , und jetzt dieses noch! Immerhin habe ich eine völlig neue Form organischer kristalliner Strukturen synthetisiert. Doch das Zeug verhält sich - verdammt noch mal - nicht so, wie man es von einer ordentlichen Substanz schon erwarten kann. Es ist mir nicht möglich, diesem Material bestimmte Eigenschaften zuzuordnen. Welche Messungen ich auch anstelle, nie sind sie mit gleichen Resultaten wiederholbar!

Das schlimmste ist, dass sogar die Massebestimmung nicht einwandfrei funktioniert. Ein Kilogramm ist ein Kilogramm! Normalerweise. Meine Substanz ist nicht normal. Ich habe bereits ein Kilogramm Material gewonnen. So ungefähr jedenfalls. Der Wert der Masse ändert sich um plus/minus zehn Prozent! Und das zum Überfluss dann auch noch völlig chaotisch!

Ich muss dem Fehler auf die Spur kommen. Aber die Waagen und Messgeräte befinden sich in einwandfreiem Zustand. Ich muss die Synthese wiederholen. Doch habe ich kein Glück. Die Synthese lässt sich nicht wieder-holen. Ich erzähle im Labor Niemanden von meinen Misserfolgen. Es inter-essiert sich auch kein Mensch dafür. Warum sollte er auch. Alle sind mit sich beschäftigt und mit ihrer Arbeit. Das beruhigt mich. Auch der „Alte“ wird mich in frühestens vier Wochen zu sich zitieren. Bis dahin werde ich schon irgendwelche Ergebnisse vorweisen können.

Doch langsam bekomme ich es mit der Angst zu tun. Meine organischen Kristallstrukturen verändern sich. Völlig unerklärlich. Und langsam gewöhne ich mich an dieses Zeug. Und das genau ist es, was mir viel größere Angst noch einflößt. Früh bin ich der erste im Labor. Und ich „begrüße“ die graue Masse, die aber jeden Tag immer wieder anders ist. Und ich glaube schon vorher zu wissen, wie sie sich verändert haben wird. Ich kann das alles nicht beschreiben, weil mir die Worte und Begriffe fehlen. Ich „unterhalte“ mich mit der Substanz. Vielmehr: sie „unterhält“ sich mit mir. Sie teilt mir irgend etwas mit. Wir sind schon recht vertraut miteinander. Sie gibt mir Tips für meine weitere Arbeit. Nur über sich selbst „sagt“ sie überhaupt nichts aus.

Ich stelle die Versuche mit meiner Substanz ein. Wir sind „Partner“ geworden. Mit ihrer Hilfe habe ich eine Entdeckung gemacht, die meine Forschungsarbeit sehr positiv und sehr nachhaltig beeinflusst. „Dynamische kristalline Speicherstrukturen“ könnten für die Computertechnik große Bedeutung erlangen. Mein „Partner“ verändert seit kurzem ständig seine Konsistenz. Meist treffe ich „ihn“ als zähe Flüssigkeit an. Und diese Flüssigkeit schillert in allen Regenbogenfarben. Ich trage sie immer in einer Flasche mit mir herum. Auch zu Hause brauche ich ihre Gegenwart.

Aber irgendwie habe ich immer noch Angst. Die Flüssigkeit weiß das. Und sie weiß noch mehr, doch will sie mir nicht alles „sagen“. Und trotzdem ist sie ein Teil von mir. Und meine Angst wird größer, wenn wir getrennt sind.

Ich bin mir sicher, nicht verrückt zu sein. Ich bin mir sicher, eine wahnsinnige Entdeckung gemacht zu haben. Und ich bin mir sicher, mit keinem Menschen darüber sprechen zu können. Mittlerweile habe ich einigen Erfolg mit meiner Arbeit. Meine Dissertation macht Fortschritte. Ich bin auf wahrhaft große Dinge gestoßen...

Doch nicht ich bin es, der den Erfolg für sich verbuchen kann. Mein „Partner“ rät mir, nicht so sensibel zu sein. „Seine“ Gestalt scheint er nicht mehr ändern zu wollen. Ich solle „ihn“ aus der Flasche gießen, ließ „er“ mich neulich wissen. Mit ganz gewöhnlichem Fensterglas könnte man „ihn“ jetzt verwechseln. Eines Tages teilt „er“ mir mit, dass „er“ mit „seiner“ Versuchsserie jetzt am Ende sei. Ich habe mich sehr kooperativ verhalten. Und „er“ möchte sich nochmals für meine Hilfe bedanken. „Er“ habe sich ja schließlich revanchiert. Meine Speichersubstanz gedeihe doch prächtig.

Ich werde blass. Die Glasscheibe werfe ich zu Boden. Doch nichts geschieht. Überhaupt nichts. Keine Scherben und - keine fremden Gedanken mehr. Wieder bin ich allein.

Ich bin allein mit meiner Angst und mit dem Wissen um meine Unwissenheit. Ich habe das Gefühl, ausgelacht zu werden. Wir alle werden ausgelacht. Dabei nehmen wir uns so wichtig! Und wir bilden uns verdammt viel ein auf unser bisschen Wissen.

Irgendwie gibt es noch „etwas“ oder „irgendwen“. Nein, nicht die „kleinen grünen Männchen“ oder „die Engelein im Himmel“ oder ähnliches in der Art meine ich, sondern etwas, was ich nicht beschreiben kann, etwas, was ich nie begreifen werde. Etwas, das unsere Begriffe nie erfassen werden können. - Niemals! Beruflich kann ich mich nicht beklagen. Natürlich wird nie jemand erfahren, „wer“ mir bei meiner Karriere behilflich war. Und ich selbst erinnere mich nur ungern an die Zeit meines Verrücktseins. Ich muss ganz schön überarbeitet gewesen sein. Die Notizen von den misslungenen Versuchen sind schon längst vernichtet. Ich habe alles gut überstanden. Wenn man einmal von meiner ganz unmöglichen Angst vor Glasscherben absieht. Von einer solch abartigen Phobie allerdings habe ich noch nie gehört. Und meine seltsame Glasscheibe bewahre ich noch immer auf. Nein, sie „lebt“ nicht mehr, entzieht sich aber allen Versuchen, hinter das Geheimnis ihrer Struktur zu kommen. Sie ist unzerstörbar und lässt sich nicht erhitzen. Ich kann anstellen mit ihr, was ich will. Keine Reaktion! Dieses „physikalische und chemische Monstrum“ bewahre ich jetzt im Keller auf. In die dunkelste Ecke habe ich es verfrachtet. Ich werde es ignorieren. Ich muss es ignorieren, da es mich an der Legitimität meiner wissenschaftlichen Forschungstätigkeit zweifeln lässt. Auch alle weiteren Versuche, die ursprüngliche Substanz wieder herzustellen, scheitern.

Ich weiß, dass alles mit rechten Dingen zugeht.
Ich weiß das!

Dieses Wissen lasse ich mir nicht nehmen.
Von keinem!

Die Arbeit mit dem Festkörperspeicher ungeahnter Kapazität macht Fortschritte. Irgendwann einmal, in nicht allzu ferner Zukunft, werden langsame elektromechanische Massenspeicher geringer Kapazität der Vergangenheit angehören. Trotz aller Erfolge werde ich das dumme Gefühl nicht los, ein Almosen angenommen zu haben. Und auch die Angst vor „Gespenstern“ belastet mich sehr, viel mehr, als ich mir eingestehen will. Ich bin ein rational veranlagter Mensch. Jedenfalls war ich das. Und ich bemühe mich, es wieder zu werden. Mühe kostet Kraft. Noch habe ich die.

Doch vielleicht bin ich nur überempfindlich, denn als Kind schon hatte ich Angst vor dunklen Ecken und vor Vogelscheuchen in der Abenddämmerung, Angst vor dem Heulen des Windes und vor Bildern, die sich mit Leben erfüllten. Es lebten viele von den toten Dingen...

Aber ich bin doch kein Kind mehr!

Oder...?


rose Offline

Mitglied


Beiträge: 563

27.09.2014 16:04
#2 RE: Angst antworten

Man kann auch im erwachsenen alter kind bleiben...manchmal zumindestens



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